Der Kunstreiter, 2. Band by Friedrich Gerstäcker

(3 User reviews)   3733
By Jennifer Weber Posted on Nov 15, 2025
In Category - Memoir
Gerstäcker, Friedrich, 1816-1872 Gerstäcker, Friedrich, 1816-1872
German
Overview: A classic of German adventure literature, this second volume of Gerstäcker’s "The Circus Rider" continues its picaresque journey through 19th-cen...
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amüsieren anfing. Barthold nahm keine Notiz von der Unterbrechung. »Siehst du,« fuhr er fort, »wenn du einen einzelnen Baum da draußen stehen siehst, so denkst du wohl -- wenn du überhaupt je etwas dächtest -- das sei ein lebloses, totes Ding, was da steht, und allerdings kann sich's nicht von der Stelle bewegen, es muß am Boden haften, wo unser Herrgott es hingepflanzt hat. Aber in ihm lebt's und wirkt und schafft und treibt und wächst, reckt die Arme nach dem Himmel empor, von dort her Licht und Regen zu saugen, und hält sich mit den Wurzeln derb im Boden fest, um vom Winde nur gerüttelt, aber nicht geworfen zu werden. Mehr im Leben tut auch nicht einmal der Mensch, nur auf ein wenig andere, sogar nicht immer so erfolgreiche Art. Der Baum ist aber nicht tot, er lebt -- er lebt und atmet, wie ein jedes Tier, wenn sich ihm auch die Brust dabei nicht heben kann; aber durch seine Poren zieht der Lebenssaft, zieht Luft und Feuchtigkeit, was er zum Leben braucht, und wird ihm das genommen, muß er sterben. Nimm nur die Axt und hau' in einen Stamm hinein, und sieh, ob er nicht blutet, wenn auch sein Blut nicht rot aussieht wie das unsere. Langsam tropft es zu Boden, und wenn die Wunde ausgeblutet hat, vernarbt sie wieder, wie bei dem Menschen. Sieh nur einen gefällten Baum dir an, aber nicht, wie es die meisten Menschen tun, die bei einem solchen Baume immer gleich berechnen, wie viel Klaftern Scheite oder wie viel Ellen Nutzholz er geben kann. Sieh ihn an, wie er als Leiche daliegt, denn es gibt ebensogut Baum- wie Menschenleichen -- sieh, wie die Rinde abstirbt, ihre gesunde, frische Farbe verliert und fahl und erdfarben wird, und die Blätter welken und dorren, die Zweige eintrocknen -- und langsam geht er zur Erde zurück, von der er kam, wie der Mensch, anderen, seinesgleichen, Raum zu geben. Und das ist nur der einzelne Baum, nun aber seht die Masse, seht den Wald, wo einer dem andern die Hand hinüberreicht; seht ihn, wenn er sich abends die Sternendecke über den Kopf zieht und duftet und träumt, und leise rauschend der Atem des Herrn durch seine Wipfel fährt; seht ihn, wenn er morgens erwacht, mit rosig verklärtem Gesicht der Sonne entgegenlächelt, und all die tausend Sänger hegt und pflegt, die mit der Morgensonne dem Allerhalter ihre Danklieder entgegenwirbeln -- seht ihn am Tage, wie er die Arme schützend über die Erde breitet, den heißen Sonnenstrahlen zu wehren, seine Quellen am liebsten Kinder, die Blumen, zu erreichen und auszutrocknen; seht ihn, wie ihm am Abend spät der helle Schweiß von der vielen Anstrengung an der Stirn steht und in Millionen Tropfen von den Blättern funkelt. Seht ihn im Sommer in seiner Kleiderpracht, im Winter, wenn er sich fest eingehüllt hat in seine warmen Schneetücher -- seht ihn, wenn ihr wollt, aber er bleibt immer schön und groß und hehr, ein Tempel des Herrn, den er sich selber auferbaut.« Barthold hätte sich für seine schwärmerischen Gedanken keine unglückseligeren und unpassenden Zuhörer wählen können, und wenn er ein Jahr danach gesucht hätte, als eben die beiden alten Burschen mit dem Wirt zu Kauf, der mit offenem Munde hinter ihm stand. Auf Tobias' Gesicht lag, solange der alte Mann sprach, ein breites Grinsen, und die rotgeränderten feuchten Augen zwinkerten nur manchmal mit einem verschmitzt sein sollenden Lächeln nach dem »Schwiegervater« hinüber. Mühler seinerseits saß mit fast bis in die Haare hinaufgezogenen Augenbrauen, die Stuhllehne zwischen den Knien und beide Ellbogen darauf gelehnt, dicht vor dem alten Forstwart, und über sein Gesicht zuckte...

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Overview: A classic of German adventure literature, this second volume of Gerstäcker’s "The Circus Rider" continues its picaresque journey through 19th-century Europe, blending travelogue social observation with the thrill of the sawdust ring.

Plot: Following our itinerant equestrian protagonist, the narrative expands beyond circus life into a broader tapestry of encounters. The story becomes a vehicle for exploring diverse communities, moral dilemmas, and the stark contrasts between rural tradition and encroaching modernity, all while maintaining the central thread of performance and survival.

Analysis: Gerstäcker’s work endures not merely as entertainment but as a vital cultural document. His firsthand, empathetic portrayal of itinerant performers grants dignity to a marginalized subculture, while his keen eye for regional customs preserves a vanishing world. The novel’s strength lies in this authentic synthesis of spirited adventure and serious ethnographic insight, securing its status as a foundational text in the German tradition of the socially conscious travel narrative.



🔓 Copyright Status

This publication is available for unrestricted use. It serves as a testament to our shared literary heritage.

Daniel Anderson
1 year ago

Surprisingly enough, the depth of research presented here is truly commendable. One of the best books I've read this year.

Ethan Hill
11 months ago

The layout is very easy on the eyes.

Mary Johnson
2 months ago

Read this on my tablet, looks great.

5
5 out of 5 (3 User reviews )

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