unverändert; fremdsprachliche Zitate wurden nicht korrigiert. Fußnoten wurden der Übersichtlichkeit halber an das Ende des jeweiligen Kapitels der betreffenden Erzählung verschoben. Umlaute in Großbuchstaben (Ä, Ö, Ü) werden in ihrer Umschreibung dargestellt (Ae, Oe, Ue). Besondere Schriftschnitte wurden in der vorliegenden Fassung mit den folgenden Sonderzeichen gekennzeichnet: gesperrt: _Unterstriche_ Antiqua: ~Tilden~ #################################################################### Hüben und Drüben. [Illustration] Neue gesammelte Erzählungen von Friedrich Gerstäcker. Dritter Band. [Illustration] Leipzig, Arnoldische Buchhandlung. 1868. Inhaltsverzeichniß. Seite 1. Das Loch in der Hose 1 2. Richter Black 163 3. Martin 253 4. Hasenjagd bei Gotha 310 Das Loch in der Hose. Erstes Kapitel. Auf der Promenade. Der warme Sonnenschein des ersten wirklichen Frühlingstages hatte eine Menge von Menschen hinaus in’s Freie gelockt, und der sogenannte „Promenadenweg“ in der Stadt Hoßburg zeigte Schwärme von fröhlichen Stadtbewohnern. Verließen sie doch jetzt den langen Winter hindurch in ihren Häusern eingeengt, wie die Bienen ihren Bau, um sich an dem blauen Himmel und der milden, balsamischen Luft zu erfreuen. Ein Frühling in Deutschland! -- Man mag unser nordisches Klima mit Recht verlästern und sich zehn Monate im Jahr fragen, wie es möglich ist, daß vernunftbegabte Menschen es in einem solchen Himmelsstrich aushalten, und im Winter der Kälte, im Sommer der Hitze und im Herbst den rasenden Nordweststürmen wieder und wieder trotzen. Ein einziger Frühlingstag giebt die Antwort, und wie ein immer gesunder Mensch eigentlich nie weiß, daß er gesund ist, und sich deßhalb seines vortrefflichen Zustandes auch gar nicht recht erfreuen kann, ebenso weiß kein Bewohner der Tropen, wo ewiger Frühling herrscht, das zauberschöne Wort Frühling zu schätzen -- ja, er hat es nicht einmal in seiner Sprache und keine Ahnung davon, welches Entzücken uns durchströmt, wenn nach dem langen Winterschlaf die Natur endlich doch wieder erwacht und der Frühling mit schmetternden Lerchenfanfaren seinen fröhlichen Einzug hält. Es giebt keine wonnigere Zeit in der Welt als einen deutschen Frühling, und nicht allein in das kleine Herz des Wandervogels zieht die Luft ein, hinaus in’s Freie, fort fortzustreben, immer fort, in die weite herrliche Welt; nein, der Mensch empfindet das Nämliche, und welches Geschäft er auch treibe, welches Amt, welche Pflicht ihn an die Scholle fesselt, in _der_ Zeit wird es ihm am schwersten, derselben zu folgen, und er benutzt wenigstens jeden freien Moment, um auszufliegen, soweit ihn seine Kette läßt. Leider ist diese Kette nur bei den meisten Leuten entsetzlich kurz, und beschränkt ihre „Wanderlust“ auf das dürftigste Maß -- einen Spaziergang um die Stadt herum, aber -- „sie schöpfen doch wenigstens frische Luft“, und auch in Hoßburg hatten sie sich das heute zu Nutz gemacht. Wie das herüber und hinüber wogte, von fröhlichen lachenden Gruppen, und wie zahlreich eigentlich das schöne Geschlecht vertreten war, das heute, am ersten Mai, auch zuerst die langersehnte Gelegenheit bekommen hatte, schon längst bereit liegende Frühlingskleider in Glanz und Licht hinauszutragen! Wie an einem Sonn- und Feiertag war das junge Volk geputzt; und wie das dabei mit einander kicherte, lachte und plauderte, und wie sorgfältig es einander musterte und prüfte! Wenn sich weit draußen in See zwei Schiffe begegnen, so stehen die beiden Kapitäne jeder an seinem Bord mit dem Fernrohr in der Hand, um erst einmal die Flagge zu erkennen, und wenn die nicht gezeigt wird, nach der Takelage und dem ganzen Schnitt der „~rigging~“ das fremde Fahrzeug „auszumachen“. Alles wird dabei auf das Genaueste beobachtet, der Stand der Masten, der Schnitt der Segel, der Bau des Rumpfes vom Bug zum Heck, selbst die Malerei an Bord, und erst völlig außer Gesichtsweite schiebt der Seemann sein Teleskop wieder zusammen und tauscht mit dem Steuermann seine Bemerkungen über das fremde Segel. Dieselbe Beobachtung können...
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William Lee
1 year agoVery interesting perspective.