Reise zur deutschen Front, 1915 by Ludwig Ganghofer

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Ganghofer, Ludwig, 1855-1920 Ganghofer, Ludwig, 1855-1920
German
Overview: A unique work of wartime journalism and travelogue, Ganghofer's 1915 account offers a meticulously curated, state-sanctioned tour of the German W...
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Eindruck. Hier sieht der mächtige Bahnhof aus wie eine Festungshalle. Ein von Westen kommender Zug schüttet ein paar hundert Offiziere und Mannschaften aus. Meist sind es Leichtverwundete. Ein junger, bildhübscher Offizier, den geschienten, dick verbundenen Arm in der Schlinge, den Waffenrock umgehängt, macht sich vor dem Zug ein bißchen Bewegung und raucht dazu mit Behagen seine Zigarette. Ein Schwerverwundeter wird auf einem Wägelchen rasch vorübergefahren. Ich sehe ein abgezehrtes Leidensgesicht mit sehnsuchtsvollen Augen. Das Gezitter und Gewackel des Wägelchens, auf dem der Brave an mir vorbeigefahren wird, scheint ihm schwere Schmerzen zu verursachen. Ich höre sein leises, ein bißchen unwilliges »Ach!«. Dann dreht er langsam das Gesicht auf die andere Seite und schließt die Augen. Das Wägelchen verschwindet im Gewühl der Feldgrauen. Sehr viele von ihnen, Offiziere und Mannschaften, tragen das Eiserne Kreuz. Alle tragen es mit sichtlichem Stolz, jeder scheint sich still innerlich zu freuen, wenn es gesehen wird und einen dankbaren Blick erweckt. Ja! Dankbar müssen wir jedem sein, der dieses Zeichen der deutschen Ehre trägt. Und daß wir der Ausgezeichneten so viele sehen, das muß uns freudig stimmen, muß uns Vertrauen und Ruhe geben. Ein Heer von Helden! Wer, außer Gott, könnte uns besser schützen? Neben den Verwundeten sind viele, die nur heimkehren, um irgendeinen militärischen Auftrag auszuführen. Ihr Auftreten ist ernst und würdig, ihr Schritt rasch und beschwingt. Überaus wohltuend ist die Fürsorge, die man diese Offiziere den Mannschaften erweisen sieht. Wenn da ein Soldat steht, der etwas ratlos herumsieht und nicht weiß, was er beginnen soll, ist gleich ein Offizier bei ihm und fragt: »Was ist mit Ihnen, woher kommen Sie, wohin wollen Sie, haben Sie einen guten Platz?« Jedes Anliegen findet Hilfe. Ich sehe einen Offizier, der den Arm um einen blassen, müd und schwerfällig vorwärts tappenden Soldaten geschlungen hält und den Schaffner des Schlafwagens anruft: »Haben Sie noch Platz? Der Mann muß ein Bett haben.« Die Antwort: »Alles besetzt!« Und der Offizier sagt: »Dann geben Sie dem Mann mein Bett, er muß liegen, muß schlafen können, ich komme schon irgendwo unter.« -- Früh, vor Tageserwachen, geht die Reise weiter. Ich bin der einzige Zivilist in dieser endlos scheinenden Wagenkette. Das zu wissen, ist unerquicklich. Die Zeit ist so, daß man als Nicht-Soldat immer in Versuchung gerät, sich seines bürgerlichen Rockes zu schämen. Außer mir und vielen hundert Soldaten ist nur noch ein junges Mädel im Zuge. Wahrhaftig, ich bin in großer Sorge um ihr Schicksal. Sie selbst ist vergnügt und plaudert lebhaft. Ihr Kupee ist überfüllt, und ein halbes Dutzend der Feldgrauen steht noch lachend um die Türe herum. Das mindert die Gefahr. Der Morgen beginnt zu grauen, während der Zug aus der mächtigen Frankfurter Bahnhofshalle hinausrollt. Gleich vielen großen Morgensternen hängen die hochmastigen Streckenlampen in der stahlblauen Luft. Die Häuser gleiten vorüber, mit Hunderten von erleuchteten Fenstern. Am Morgen hat ein erleuchtetes Fenster etwas Widersinniges; bei seinem Anblick hat man unwillkürlich das Gefühl: es ist nicht Morgen, es will Abend werden. Mir rinnt es bei diesem Gedanken heiß durch Seele und Knochen. Nein! In Deutschland geht es nicht einem Abend und nicht der Nacht entgegen; ein Morgen wird kommen, schöner als jeder Morgen, den das deutsche Volk noch jemals erlebte. Ein Dröhnen und Rauschen. Der Zug gleitet über die eiserne Brücke, und gleich einem wundervollen Silberband, das die Ferne mit der Nähe verknüpft, so glänzt der Mainstrom ins erwachende Land hinaus. Immer wieder übersetzt der Zug eine Straße und immer seh' ich das gleiche Bild: bei den Schlagbäumen stehen lange Züge von Soldaten, die auf ihrem Wege zum Exerzierplatz einige Minuten aufgehalten sind. Millionenheere stehen draußen im Kampfe, und noch immer wimmelt...

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Overview: A unique work of wartime journalism and travelogue, Ganghofer's 1915 account offers a meticulously curated, state-sanctioned tour of the German Western Front during World War I's first year, framed as patriotic reportage.

Plot: The narrative follows the author's journey as a guest of the German military, visiting trenches, artillery positions, and command posts. He chronicles conversations with soldiers and officers, describes the landscape of war, and portrays the German war machine as disciplined and morally resolute, deliberately contrasting it with the perceived enemy.

Analysis: Its status as a classic stems not from impartiality, but from its value as a primary historical artifact of propaganda. Ganghofer’s access was unparalleled, yet his perspective is wholly filtered through the lens of the *Burgfrieden*—the political truce at home. The book is a masterclass in how literature was mobilized for total war, making it essential for understanding the home front psyche and the curated reality presented to the German public in 1915.



🟢 Legacy Content

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David Thompson
6 months ago

Helped me clear up some confusion on the topic.

Carol Robinson
1 year ago

Solid story.

Brian Jones
1 year ago

I came across this while browsing and it provides a comprehensive overview perfect for everyone. This story will stay with me.

Deborah Wright
1 year ago

After hearing about this author multiple times, it provides a comprehensive overview perfect for everyone. I would gladly recommend this title.

Elizabeth Thompson
2 months ago

Read this on my tablet, looks great.

4.5
4.5 out of 5 (5 User reviews )

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