Vierzig Jahre aus dem Leben eines Toten. Band 3 by Johann Konrad Friederich

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Friederich, Johann Konrad, 1789-1858 Friederich, Johann Konrad, 1789-1858
German
Overview: A remarkable work of 19th-century German memoir and philosophical reflection, this third volume chronicles the author's self-imposed social exile...
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Josephinen an, die natürlich immer zum Vorteil der letzteren ausfielen. Endlich kamen die bei alldem von den Parisern herbeigewünschten Tage, an welchen die neue Kaiserin durch ihr Erscheinen die Neugierde des ungeduldigen Volkes befriedigen sollte. Napoleon war ihr in Murats Begleitung, der sich auch schon eingefunden hatte, bis Compiègne entgegengegangen. Nach dem bekannt gemachten Programm sollte die erste Zusammenkunft in dem mittelsten der drei Zelte, die zu diesem Zweck auf dem Weg nach Compiègne aufgeschlagen waren, stattfinden. Das Programm schrieb vor, daß beide Majestäten zu gleicher Zeit von zwei entgegengesetzten Seiten in das mittlere Zelt treten, Marie Louise aber vor ihrem Gatten niederknien, der sie jedoch sogleich aufheben und umarmen würde, worauf sich beide niedersetzen sollten. Aber Napoleons Ungeduld machte alle von ihm selbst vorgeschriebenen Zeremonien und Etikette überflüssig, indem er ganz inkognito in seinem grauen Überrock das Schloß von Compiègne durch eine kleine Pforte verließ, sich in eine unansehnliche Kalesche warf und in dem Augenblick zu Courcelles ankam, als die Kuriere der jungen Kaiserin die Pferde bestellten. Hier stellte er sich, da es heftig regnete, unter die Halle einer Kirche, und als die Wagen der Ersehnten ankamen und man die Pferde wechselte, lief er an den Schlag der Kutsche, in der Marie Louise saß, öffnete denselben, stieg schnell ein, fiel seiner jungen, höchst erstaunten Gattin um den Hals und fuhr mit ihr zusammen nach Compiègne zurück, wo er, wie man allgemein versicherte, die Nacht als Ehemann mit ihr zubrachte. Am anderen Tag ließ er um Mittag das Frühstück vor dem Bett der sehr müden Kaiserin servieren. Als dies zu Paris bekannt wurde, fand man es sehr genial. Viele Personen waren dem hohen Paar entgegengefahren, auch ich war bis an die Grenze des Departements der Seine geritten, wo dasselbe von dem Präfekten und den Autoritäten des Departements empfangen und bekomplimentiert wurde. Den Fürsten Y. hatte das Podagra wieder an das Bett gefesselt. Den ersten April fand die Zivilvermählung des kaiserlichen Paars zu St. Cloud statt, der über zwanzig Könige, Königinnen und fürstliche Personen beiwohnten. Ich hatte mich ebenfalls dahin begeben, aber mit tausend anderen der feierlichen Handlung nicht beiwohnen können. Der ganze Hof, alle Minister, Gesandte, Kardinäle, Großoffiziere, Senatoren und so weiter hatten sich in größter Gala in den Galerien von St. Cloud versammelt, wo die Armsessel für beide kaiserliche Majestäten auf einer Erhöhung unter einem prachtvollen Thronhimmel angebracht waren. Das Gefolge des kaiserlichen Paares bestand aus Königen und Königinnen, Prinzen und Prinzessinnen, Großwürdenträgern der Kronen Frankreichs und Italiens, Palastdamen und so weiter. Man hat berechnet, daß die Hofdamen beider Kronen, unter denen auch eine Visconti, eine Montecuculi, eine Mocenigo, eine Pallavicini und andere waren, mehr als für zwanzig Millionen Schmuck an sich hatten. Der Fürst Erzkanzler des Reichs sprach die Vermählung nach den von dem _Code Napoléon_ vorgeschriebenen Gesetzen aus. Nachdem die Zeremonie vorüber war und sich das ganze Kortege entfernt hatte, gelang es mir, in die Galerie zu kommen, wo die Vermählung stattgefunden hatte und ich noch die getroffenen Vorrichtungen sehen konnte. Am Abend war der Park von St. Cloud auf das prächtigste erleuchtet, was besonders bei den Kaskaden, die in Brillantstrahlen herabfielen, eine unbeschreibliche Wirkung machte. Vor allem war es die große Kaskade, die sich feenhaft ausnahm; man wähnte sich in einem der Zaubergärten der orientalischen Märchen der Tausendundeine Nacht. Der illuminierte Park, in dem mancherlei Spiele stattfanden, war so mit Menschen überfüllt, daß es schien, als sei ganz Paris nach St. Cloud gewandert. Den folgenden Tag, am zweiten April, hielt das kaiserliche Ehepaar seinen feierlichen Einzug in die Hauptstadt, zur religiösen Trauung. Mit Tagesanbruch wimmelte der dick mit Sand bestreute Weg, auf dem sich der Zug...

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Overview: A remarkable work of 19th-century German memoir and philosophical reflection, this third volume chronicles the author's self-imposed social exile, framing a life of quiet observation as a form of posthumous existence.

Plot: The narrative continues Friederich's introspective journey, detailing his deliberate withdrawal from public life to become a "living dead" observer of society. Through a series of vignettes and meditations, he documents the cultural and political shifts of the Vormärz period from his unique, detached perspective, encountering figures both historical and ordinary.

Analysis: Its status as a classic stems from its profound conceptual audacity. Friederich inverts the memoir genre; instead of asserting a legacy, he narrates from the assumed position of one already gone. This provides a startlingly objective, yet deeply human, critique of pre-1848 German society. The work is less a story and more a sustained philosophical experiment on memory, identity, and the role of the individual within history, securing its place as a singular and enduring text.



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Emma Anderson
5 months ago

Perfect.

Mason Clark
9 months ago

Comprehensive and well-researched.

5
5 out of 5 (2 User reviews )

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