überreichte den verewigten Söhnen feierlich jedem sein Exemplar. Olof nahm sein Buch in Empfang, und Svante nahm das seinige. Von Olof, der eine praktische Natur ist und nicht zum Litterarischen neigt, wird behauptet, daß er sich bei dieser Gelegenheit zum ersten Male aus freien Stücken hinsetzte, um in einem Buche zu lesen. Ich glaube beinahe, er las drei ganze Kapitel. Svante hingegen las das ganze Buch in einem Zuge von Anfang bis zu Ende. Dann griff er gewisse Kapitel heraus, die ihm besonders gefielen, und las sie laut Jedem vor, der zuhören wollte. Es herrschte mit einem Worte großer Jubel im ganzen Hause. Damals lief jedoch noch ein kleines Kerlchen in den Zimmern herum. Das war Olofs und Svantes kleines Brüderchen, und es hatte langes, lockiges lichtblondes Haar und die größten blauen Augen, die ein kleiner Junge nur haben konnte. Er hieß Sven und war erst zwei Jahre alt. Sprechen konnte er nicht ganz. Aber verstehen konnte er. Als Svante ihm nun laut vorgelesen hatte, fragte Mama: »Von wem, glaubst Du, ist da die Rede?« Und da Sven nicht wußte, was er sagen sollte, fuhr Mama fort: »Ja, weißt Du, von den großen Brüdern, versteht Nenne das nicht?« Sven wurde nämlich für den Alltag Nenne gerufen. Das hatte er selbst erfunden, weil er kein S aussprechen konnte. »Ja, aber die Brüder heißen doch nicht so, wie es im Buch steht,« versuchte Nenne. »Wie dumm Du bist,« sagte Olof, »so hat er uns eben genannt.« Da verstand Sven, und mit Augen, die vor Ungeduld leuchteten, fragte er: »Steht da nichts von Nenne drin?« Papa war inzwischen hereingekommen, er hob den Kleinen bis zur Decke empor, setzte ihn wieder nieder und sagte: »Was sollte wohl von einem Knirpschen stehen, das so klein ist, daß es noch nichts gethan hat?« Aber Sven gab sich nicht zufrieden. Er führte seine großen blauen Augen ins Treffen, so gut er nur konnte, er teilte mit seinem kleinen roten Munde Küsse aus, er kämpfte mit allen Waffen, die ihm zu Gebote standen. Er wollte ein Buch für sich haben. »Ja, aber Nenne kann ja nicht lesen.« Dieser Grund machte auf Nenne nicht den geringsten Eindruck. Er lief durch die Zimmer aus und ein, und sein ganzes kleines lebendiges Gesichtchen war vor Eifer rosenrot. Olof hatte ein Buch bekommen, und Svante hatte ein Buch bekommen. Warum sollte Sven allein leer ausgehen? Und da half nichts. Der Schriftsteller hatte kein anderes Exemplar bei der Hand. Darum gab Mama ihres her, und nachdem ihr Name ordentlich ausradiert worden war, schrieb Papa feierlich auf das Buch: Dem kleinen Nenne von Papa. Und erst da war Sven zufrieden. Das heißt, es sah aus, als wäre er zufrieden. Denn er erhob keine weiteren Einwände. Er ging nur herum und las in seinem neuen Buch. Er konnte von vorwärts und von rückwärts lesen, er hielt das Buch nach oben und nach unten, und er las laut, so daß es im ganzen Hause wiederhallte. Endlich setzte er sich für eine Weile allein hin und dachte nach. Und dann ging es durch alle Zimmer, als könnte er gar nicht rasch genug ans Ziel kommen. Sven lief direkt in Papas Stube, wo Papa am Schreibtisch saß und qualmte. Da machte er sich so klein, daß er zwischen Papas Stuhl und dem Tische durchkriechen konnte, und dann steckte er den Kopf durch und versuchte Papa ins Gesicht zu sehen. »Was giebt es, Sven?« fragte Papa, der es nicht liebte, gestört zu werden. Aber Sven gab sich nicht früher zufrieden, bis der Stuhl weggeschoben wurde, so daß er heran kommen konnte. Dann stellte er sich zwischen Papas Kniee, sah...
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