hinsichtlich der Bibel nur die Wahl zwischen zwei Möglichkeiten. Entweder beweist die Unstimmigkeit zwischen der Heiligen Schrift und der Wahrheit, daß die ganze Bibel _keine_ Offenbarung ist, wenn wir nämlich annehmen, daß der allwissende, unfehlbare Gott sie quasi diktiert hat, daß es sich also um eine Fälschung handelt, -- oder daß Gott zwar die frommen Verfasser der einzelnen Schriften mit seinem Geist erfüllt hat, daß er ihnen aber die Form überließ, beziehungsweise sie als Menschen ihrer Zeit sich auch nur gemäß dem damaligen Wissen ausdrücken konnten. Letztere Annahme hat aber die Konsequenz eines Verzichtes auf die Verbalinspiration der Bibel. Daß Gottes Diktat keine Fehler enthalten kann, ist ebenso klar, wie daß die Schriften selbst der hervorragendsten Männer der Vorzeit nicht dem heutigen Wissen in allen Punkten entsprechen können. Daß Jesus von Nazareth, nach dem Evangelium, das schöne Wort sprach: »der Buchstabe tötet, der Geist macht lebendig«, gibt jenen einen autoritativen Helfer, die ihrer eigenen Vernunft nicht vertrauen. Wer also in Fragen der Kosmologie, Geologie, Biologie, Geschichte und vieler anderer Gebiete eine Inkongruenz zwischen Bibel einerseits, Vernunft und Erfahrung anderseits erkennt und daraus weder folgert, daß die Bibel als Ganzes keine geoffenbarte Wahrheit sei oder aber, daß er den Umfang der Offenbarung zu weit ausdehnt, der begeht einen Denkfehler. Wer nun weiterhin aus solchen der Vernunft und Erfahrung widersprechenden Bibelstellen oder gar aus einzelnen Worten weitgehende Schlüsse irgendwelcher Art zieht, sein Leben danach modelt, auf den Gebrauch seines Verstandes verzichtet, sich um sein gutes Recht bringen läßt oder gar sein Leben opfert, der handelt dumm. Diese Dummheit werden wir nun nicht etwa nur in alter Zeit finden, in der wir sie ja kaum so bezeichnen können, sondern auch noch in der jüngsten Vergangenheit, ja in der Gegenwart. Gibt es doch eine mächtige Richtung, die den durch Fragen der Weltanschauung nicht minder als solche des Wirtschaftslebens hervorgerufenen Kämpfen unserer Zeit dadurch begegnen zu können vermeint, daß sie den biblischen Buchstabenglauben als Panazee anrufen! Wenn diese Männer so handeln gegen besseres Wissen, dann ie nicht anständig. Handeln sie so aus Überzeugung, so sind sie dumm. Zudem erzielen sie naturgemäß bei der Intelligenz, auf die es doch allein ankommt, das Gegenteil dessen, was sie bezwecken. Bekanntlich folgert das Papsttum seine auf Allmacht hinauslaufenden Ansprüche aus der Bibelstelle »Du bist Petrus und auf diesen Felsen will ich meine Gemeinde bauen, und die Pforten der Hölle sollen sie nicht überwältigen. Und will dir des Himmelreichs Schlüssel geben: alles, was du auf Erden binden wirst, soll auch im Himmel gebunden sein, und alles, was du auf Erden lösen wirst, soll auch im Himmel los sein.« (Matth. 16, 18-19.) Ergänzt wird diese Stelle durch das Wort Christi an den gleichen Apostel »Weide meine Schafe« (Ev. Joh. 21, 16). Zu diesem Mandat des Stifters unserer Religion tritt noch nach kirchlicher Lehre eine historische Begründung des Rechtsanspruches hinzu: Petrus sei der erste Bischof von Rom, der erste Papst, gewesen; sein Geist aber habe sich durch Tradition ungeschwächt erhalten. Nachdem die Bischöfe von Rom es verstanden haben durch anderthalb Jahrtausende in immer steigendem Maße ihre Ansprüche durchzusetzen, muß man ihrer Intelligenz und ihrer politischen Genialität die größte Bewunderung zollen. Anders aber steht es um die Klugheit der beherrschten Völker. Lassen wir es ganz dahingestellt sein, ob es nicht für eine Kirche wünschenswert ist eine Spitze zu besitzen, so daß praktische Motive die Errichtung des Papsttums hinlänglich rechtfertigen würden, so scheint es desto wichtiger die römische _Begründung_ des Machtanspruches zu prüfen, bzw. die _Bereitwilligkeit, mit der diese Begründung hingenommen wurde_, zu beleuchten. Wir lassen dabei auch die Frage offen, ob nicht die angeführten Evangelienstellen Interpolationen sind, die das Papsttum vornahm, um die...
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Joshua Jackson
3 months agoGreat read!