Christian Garve's Vertraute Briefe an eine Freundin by Christian Garve

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Garve, Christian, 1742-1798 Garve, Christian, 1742-1798
German
Overview: An epistolary work of moral philosophy and practical wisdom, this 18th-century text presents a series of intimate, didactic letters exploring the...
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gebraucht wird. Aber wen sollte auch Ihre Gütigkeit nicht stolz machen. Mein Herz ist noch von derjenigen gerührt, die Sie mir den letzten Tag erwiesen haben. Wie oft habe ich mir nicht die Auftritte dieses Tages von meiner Einbildungskraft wieder vorspielen lassen! Und immer verweilte ich mich bey dem Augenblicke, wo ich in einer Bestürzung, die mich von meinen Bewegungen nicht mehr Herr seyn ließ, meinen Huth suchte, und Sie mir das unerwartete Vergnügen ankündigten, daß ich noch einen halben Tag länger bey Ihnen seyn könnte. Niemals hat man eine freundschaftlichere Gefälligkeit zu einer gelegenern Zeit gethan, zu einer so gelegenen Zeit, daß ich Ihnen die Grausamkeit vergebe, daß Sie mich die Angst des Abschieds haben zwey Mal empfinden lassen. Ich sollte Ihnen nun meine Reise beschreiben. Ich wollte sie Ihnen beschreiben. Ich habe jede Kleinigkeit bemerkt, von der ich hoffte, daß sie entweder einer kleinen Satyre fähig wäre, oder, durch Ihre freundschaftliche Theilnehmung an allem was mich betrifft, Ihnen wichtig seyn könnte. Ich hatte in meinen Gedanken eine ganz kleine Sammlung von solchen Zügen, und schon dachte ich mit Eitelkeit an die Reisebeschreibung, die ich daraus zusammensetzen wollte. Aber dieses war noch in der ersten Zeit, wo der Einfluß Ihrer noch nicht längst verlornen Gegenwart meiner Seele noch Muth und eine gewisse Munterkeit erlaubte. Aber seit diesem Zeitpunkte sind alle jene Ideen weggewischt worden. Der Schmerz hat sie alle so einförmig gemacht, daß ich sie nicht ohne Mühe, und gewiß ohne Anmuth aus ihrer Dunkelheit hervorziehen würde. Also will ich Ihnen nur kurz sagen, daß ich meine Reisegesellschaft nicht genauer kennen gelernt habe, als wir sie im Wirthshause schon kannten, ausgenommen, daß der Macedonier ein großer Schläfer war, den ich herzlich beneidete, durch die ärgsten Stöße niemals in seiner Ruhe gestört zu werden; daß der Herr Magister sehr wenig sprach, und daß dieses Wenige alle Mal etwas kraftloses und langweiliges war; daß mein Nachbar ein Kaufdiener, und noch ein vierter ein Dreßdner war. Ich selbst habe den Postwagen in W*** verlassen. In der That war es beynahe eine Unbesonnenheit, die ich beging. Die Sache war so. Der Postwagen war auf das erschrecklichste befrachtet. Eine Menge Geldfässer und anderer schwerer Waren! Vier elende und abgetriebene Pferde würden ihn mit Mühe und Noth bey dem besten Wege gezogen haben. Aber dieser war entsetzlich. Aus einem Loch ins andere! Ich stieg drey bis vier Mal ab. Ich ging zu Fuß. Aber so oft ich wieder aufstieg, verschlechterte sich alle Mal der Weg. Das Gewicht des Wagens machte, daß er bey jedem Abhange sehr stark schwankte; wir waren zwey Mal in der größten Gefahr gewesen, umzuwerfen. Endlich bemächtigte sich die Furcht meiner. Ich dachte an den schrecklichen Fall bey B***werda. Ich fuhr beständig in Angst. Wir erreichten endlich W***. Einer von der Gesellschaft, eben der Dreßdner, der eben so furchtsam wie ich war, nahm hier Extrapost für sich bis H****burg. Ich entschloß mich, ihm Gesellschaft zu leisten. In der That war es unüberlegt: denn ich hatte mit genauer Noth so viel Geld bey mir, als nöthig war; und meinen Koffer hatte ich auf der ordinären zurück gelassen. Wir kamen um 9 Uhr nach H***burg. Ich fand keinen Menschen aus G****dorf. Man erwartete mich erst Montags. Ich wußte also von neuem nicht, wie ich nach G****dorf hinüber kommen sollte. Ich erwartete erstlich die ordinäre Post, um meinen Koffer zu haben. Ich ganz allein, in der Poststube, wo ein durch die jetzigen Meßexpeditionen abgematteter Postschreiber auf einem Stuhle schlief, bey einem kleinen einsamen Lämpchen, hatte alle mögliche Zeit zur Schwermuth. In der That brachte ich die Stunden höchst traurig zu. Endlich kam mein Koffer. Ich...

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Overview: An epistolary work of moral philosophy and practical wisdom, this 18th-century text presents a series of intimate, didactic letters exploring the art of living a virtuous and contented life.

Plot: Structured as a one-sided correspondence, the book chronicles the philosophical guidance offered by the narrator to an unnamed female friend. Through contemplative reflections on topics like duty, friendship, education, and personal happiness, it constructs a gentle, reasoned framework for navigating societal expectations and inner turmoil.

Analysis: Garve’s work is a classic of the German Enlightenment for its accessible synthesis of philosophical rigor and heartfelt counsel. It masterfully bridges the public intellectual sphere and the private, domestic one, granting serious philosophical weight to everyday ethical concerns. Its enduring appeal lies in its timeless, humane voice—offering not dogma, but a companionable dialogue on building a life of purpose and tranquility.



🔖 Legal Disclaimer

You are viewing a work that belongs to the global public domain. Thank you for supporting open literature.

Susan Williams
1 year ago

Based on the summary, I decided to read it and the emotional weight of the story is balanced perfectly. A true masterpiece.

Kenneth Young
9 months ago

Simply put, the pacing is just right, keeping you engaged. I couldn't put it down.

3.5
3.5 out of 5 (2 User reviews )

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