Der Gang nach der Himmelpforte : Eine Erzählung für Kinder und Kinderfreunde

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Friederich, Ferdinand, 1798-1874 Friederich, Ferdinand, 1798-1874
German
Overview: A 19th-century German children's fable, blending moral allegory with gentle adventure to explore themes of virtue, perseverance, and spiritual as...
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sich zärtlich an den Vater schmiegte und dessen erfaßte Hand küßte. Der Vater kniff ihr leise in das runde rothe Bäckchen und erwiederte nach einigem Besinnen: »Nun ja, Schmeichelkätzchen, es mag geschehen!« Kaum war das Wort verlautet, so zeigte ein sich erhebendes lautes Frohlocken an, mit welcher Freude die Einwilligung des Vaters nicht bloß von der kleinen Sophie, sondern auch von deren Geschwistern vernommen worden war. Diese hatten bis dahin am Fenster gestanden und mit Sehnsucht den Leuten nachgesehen, welche schon seit einigen Stunden vorüberzogen und von denen sich annehmen ließ, daß sie sämmtlich die Himmelpforte zu ihrem Ziel erwählt hatten. Denn es war heute das Fest der Himmelfahrt Christi, und der Besuch der sogenannten Himmelpforte amNachmittage dieses Festes war eine altherkömmliche Sitte bei denBewohnern der guten Stadt Wernigerode. Daß darüber manche dennachmittäglichen Gottesdienst versäumten, war gerade nicht nöthig und nicht löblich, denn die Himmelpforte lag so nahe bei der Stadt, daß zu ihrem Besuche auch nach der Kirche Zeit genug übrig blieb. Als Vater Lehrwart, der selbst Prediger war, seinen Kindern die Erlaubnis zum Besuch der Himmelpforte ertheilte, war die Kirche schon aus und auch der Kaffee war schon getrunken. Es war halb drei Uhr Nachmittags. Die Leutchen, welche jetzt noch hinausgingen, schienen so große Eile zu haben, als fürchteten sie, mit jeder Minute etwas zu versäumen. Daher harrten auch die drei Kinder Lehrwart's, die sich in der größten Geschwindigkeit fertig gemacht hatten, mit Ungeduld des Augenblicks, wo ihre Tante Elisabeth, die sie begleiten wollte, gleichfalls bereit sein würde. Endlich war es so weit gekommen, daß nur noch zärtlicher Abschied vom Vater zu nehmen war. Aber, in welches Erstaunen und in welche Freude geriethen die Kinder bei der unerwarteten Erklärung des Vaters, er selbst wolle auch von der Gesellschaft sein! Man hüpfte vor Freude. Ernst sprang eilig treppauf, um des Vaters Hut herunterzuholen, während Louise seine Handschuhe und Sophie seinen Stab herbeibrachte. Wedelnd und bellend bezeugte der muntere Spitz seine Erwartung, auch mitgenommen zu werden, und kaum war die Hausthür geöffnet, als er schon zu wissen schien, wohin man sich wenden werde, und der Gesellschaft voran, spornstreichs aus dem nahen Thore hinauslief. So sehr sich die Kinder darüber freueten, daß der Vater mitging, so ließ es sich doch bald an ihrer Ungeduld, womit sie vorausgingen und dann wieder, stillstehend, zurücksahen, merken, daß ihrer Meinung nach der Vater mit der Tante dießmal allzulangsam einherschritt. Als vollends eine nachfolgende Gesellschaft vorbeigehend zuvor kam, konnte Ernst die Klage nicht mehr zurückhalten: »Aber Vater, wir werden gewiß die Allerletzten werden, wenn wir nicht schneller gehen!« Lächelnd versetzte der Vater: »und wir werden doch noch früh genug kommen!« »Ach ja,« fiel die kleine Sophie, klugschnäbelig zustimmend, ein, »wenn wir auch nicht Alles sehen, das schadet nichts!« Diese Aeußerung veranlaßte die Tante Elisabeth zu der Frage: »Was hofft ihr denn eigentlich zu sehen, Kinderchen?« Die Kinder sahen etwas betroffen den Vater, die Tante und sich untereinander an, ohne recht zu wissen, was sie antworten sollten. Endlich ließ sich die schnippische Louise dahin vernehmen, es müsse doch wohl heute in der Himmelpforte etwas recht Schönes zu sehen sein, weil sonst nicht so viele Leute dahin gehen würden. »Aber doch,« erwiederte ihr darauf der Vater, »doch, mein Kind, irrst du dich, wenn du irgend etwas Besonders oder Außerordentliches zu sehen erwartest. Es wird heute da, wohin wir gehen, nichts anderes zu sehen sein, als was an jedem anderen schönen Frühlingstage an vielen anderen schönen Orten zu sehen ist!« Das »Ach!« welches sich nach dieser Erklärung des Vaters aus dem Munde des neunjährigen Fräuleins hören ließ, war in einem so gedehnten und unmuthigen Tone gehalten, daß die Tante...

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Overview: A 19th-century German children's fable, blending moral allegory with gentle adventure to explore themes of virtue, perseverance, and spiritual aspiration.

Plot: The narrative follows a young protagonist's symbolic journey toward the "Heaven's Gate," encountering various trials and instructive characters that test their character and resolve along the path.

Analysis: Its status as a classic stems from its masterful synthesis of accessible storytelling with profound ethical instruction. Friederich’s work transcends simple didacticism by embedding its moral framework within a compelling quest, allowing lessons on kindness, courage, and hope to emerge organically. The allegory remains timeless, speaking to universal human yearnings for purpose and goodness, while its archetypal structure ensures its resonance across generations, securing its place in the canon of enduring children's literature.



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Deborah Martin
10 months ago

I started reading out of curiosity and the pacing is just right, keeping you engaged. A valuable addition to my collection.

Logan Anderson
4 months ago

Read this on my tablet, looks great.

5
5 out of 5 (2 User reviews )

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