Das Land unserer Liebe : Roman by Walter Bloem

(8 User reviews)   4902
Bloem, Walter, 1868-1951 Bloem, Walter, 1868-1951
German
Overview: A classic Heimatroman, or "homeland novel," exploring the profound, often fraught, connection between individual identity and the German soil at ...
Share

Read "Das Land unserer Liebe : Roman by Walter Bloem" Online

This book is available in the public domain. Start reading the digital edition below.

START READING FULL BOOK
Instant Access    Mobile Friendly

Book Preview

A short preview of the book’s content is shown below to give you an idea of its style and themes.

anschwellenden Rasenflächen der Villa Freimann taute letzter Schnee. Der Generaldirektor kam schleppenden Schrittes die breite Freitreppe herunter. Fröstelnd zog er den Nerzpelz um seine Schultern zusammen. Der legt mächtig ein! dachte der Chauffeur. Und im tiefsten Herzen des altbewährten Bediensteten regte sich doch fast unbewußt etwas wie eine geheime Genugtuung des Kleinen, des Knechtes, über den unverhehlbaren Verfall des Mächtigen, des Hochmögenden ... Dies Gefühl war den Tönen jenes Liedes verwandt, dessen verwehte Klänge durch den trüben Vorlenzmorgen von der Lombardsbrücke herüberflatterten: »Was hoch und stolz, das fällt im Sturm der neuen Zeit -- jetzt bringen wir der Welt die rote Seligkeit!« Auch der Generaldirektor horchte auf. Eine neue Falte querte sich senkrecht durch die tiefen Furchen seiner schmal gewordenen Stirn. Der Chauffeur gewahrte dies Lauschen, dies Stutzen. »Meinen Herr Präsident nicht, daß es besser wäre, heute nicht --« »-- nicht zu fahren, Hansen? Das souveräne Volk von Hamburg nicht zu reizen? Es ist alles eins ... Haben Sie übrigens eine Ahnung, was los ist?« »Sie sind mal wieder sehr unruhig da drinnen ... Seit gestern kommen immerfort Züge mit heimkehrenden Kriegsgefangenen aus Rußland an«, berichtete der Chauffeur. »Die haben uns grad noch gefehlt. Alles die reinsten Bolschewisten, Herr Präsident!« Der Generaldirektor zuckte die Achseln. Aber dann schauderte er in seinem schweren Pelz doch sekundlich zusammen. Ihn schüttelte der Ekel ... Diese Zeit -- dieses Volk ... Er straffte sich auf. »Los, Hansen!« Das Auto sauste über die Lombardsbrücke. Einen Augenblick überflog der Generaldirektor mit einem kaum bewußten Gefühl von liebeschwerer Verbundenheit das vertraute Bild: zur Rechten das Quadrat der Binnenalster mit den hufeisenförmig darumgestellten drei Fronten der majestätischen Handelspaläste -- zur Linken die im Nebel verschwimmenden Ufersäume des fernhin sich dehnenden Außenbeckens. Aber leer, wie ausgestorben die ehemals froh belebte Fläche ... Kein flugfrohes Segel, kein munter flitzendes Dampferchen ... Da fauchte der Wagen an einem Zuge von Heimkehrern vorüber. Eine rote Fahne wehte voran. Der sie flattern ließ, trug nicht Feldgrau -- seine kalmückische Gestalt stak im schwarzen Anzug der russischen Kriegsgefangenen ... Und hinter dem Steppensohne trotteten in Gruppenkolonnen, wie sie's einst auf dem Kasernenhof gelernt, vier Jahre lang im Felde geübt, die Entronnenen der kaukasischen Bergwerke -- in verschlissenen Soldatenmänteln, die hageren Gesichter bartumstarrt, rote Fetzen irgendwo auf die Monturen genäht, rote Kokarden auf den schiefgestülpten Feldmützen ... »-- jetzt bringen wir der Welt die rote Seligkeit --« Stockung -- Schreie -- geballte Fäuste -- -- aber schon war's vorüber -- ein Stück verschimmelten Brotes flog gegen Freimanns Nacken. Der Generaldirektor hatte unwillkürlich den schmerzenden Kopf tief in den Pelzkragen gedrückt. Als er den Blick hob, traf eine neue Qual seine gemarterte Seele. Vor ihm zur Linken stieg der vielfenstrige Würfel des Atlantic-Hotels aus dem Nebel. Auf dem First der fremdenleeren Riesenkarawanserei, die einstens die Sendlinge des Erdballs beherbergt hatte, wehten die Banner der Entente und gaben Kunde, daß drinnen die Kommission des Feindbundes zur Beaufsichtigung der Auslieferung der deutschen Handelsflotte ihr Standquartier aufgeschlagen hatte. »-- die rote Seligkeit -- --« Hatte es Sinn zu arbeiten, -- -- mit zusammengebissenen Zähnen zu kämpfen für ein rettungslos Verlorenes?! Georg Freimann fühlte, wie die Verzweiflung über ihm zusammenschlug. Im stolz hingelagerten Verwaltungsgebäude der Hansa-Transatlantik-Linie schleppte der Arbeitstag sich gähnend und zwecklos hin -- angefüllt mit dumpfen Ängsten und Ahnungen. Man arbeitete nicht mehr -- man wurde beschäftigt ... Die gigantische Maschine lief leer. Aus dem satten Braun des eichengetäfelten Prunkbureaus trat dem Generaldirektor eine schlanke Mädchengestalt in schlichter Bluse aus grauer Kunstseide entgegen. Ein flüchtiges Lächeln überflog die gelben Züge des Chefs. Wie täglich empfand er halb unbewußt die Wohltat dieses klaren, in sich gefestigten Gesichts. »Herr Präsident,«...

This is a limited preview. Download the book to read the full content.

Overview: A classic Heimatroman, or "homeland novel," exploring the profound, often fraught, connection between individual identity and the German soil at the dawn of the 20th century.

Plot: The narrative follows a protagonist returning to his familial estate, navigating the complex web of duty, legacy, and personal desire against the backdrop of a rapidly modernizing rural landscape and simmering social change.

Analysis: Bloem’s work transcends mere regional idyll to become a seminal text of its era. Its classic status is secured not by nostalgic escapism, but by its nuanced, prescient examination of nationalism, belonging, and the psychological cost of progress. The novel captures a specific historical moment—the tension between tradition and modernity—with a literary depth that grants it enduring relevance, offering a critical lens through which to view the forces that would soon reshape Europe.



🟢 No Rights Reserved

This text is dedicated to the public domain. It is now common property for all to enjoy.

Kimberly Ramirez
1 year ago

Comprehensive and well-researched.

Paul Clark
1 year ago

Honestly, it creates a vivid world that you simply do not want to leave. A valuable addition to my collection.

Liam Gonzalez
1 year ago

Simply put, it provides a comprehensive overview perfect for everyone. Worth every second.

Donald Smith
1 year ago

Recommended.

Betty Harris
1 year ago

I have to admit, the atmosphere created is totally immersive. A valuable addition to my collection.

4
4 out of 5 (8 User reviews )

Add a Review

Your Rating *
There are no comments for this eBook.
You must log in to post a comment.
Log in


Related eBooks