Eine Mutter by Friedrich Gerstäcker

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Gerstäcker, Friedrich, 1816-1872 Gerstäcker, Friedrich, 1816-1872
German
Overview: A poignant work of German Realism, "Eine Mutter" (A Mother) explores the profound and often desperate lengths of maternal love against the unforg...
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Markttrubels, der unmittelbar vor ihren Fenstern auf und ab wogte. In der zweiten Etage eines dieser schmalen Gebäude wohnte der am Haßburger Theater angestellte Komiker Fürchtegott Pfeffer mit seiner Schwester und deren achtzehnjährigen Tochter Henriette in einem kleinen und sehr beschränkten Logis. Aber eben so klein und beschränkt war auch seine Gage, und Pfeffer, wenn auch sonst ein wunderlicher und excentrischer Kauz, doch ein ziemlich guter Haushalter und -- sonderbarer Weise -- fast der Einzige oder doch einer der Wenigen vom ganzen Theaterpersonal, der in Haßburg keine Schulden hatte. Das ganze Logis bestand nur aus zwei neben einander liegenden Stuben, jede mit einem kleinen Alcoven versehen, dann einer etwas engen und nur nothdürftig erleuchteten Küche, und einer kleinen Holzkammer. Die eine Stube hatte Pfeffer selber zum Studir- und Wohnzimmer inne, in dem daranstoßenden Alcoven schlief er. In dem andern Zimmer wohnten Mutter und Tochter, und es wäre kaum möglich gewesen, sich zwei sonst ganz gleiche Räumlichkeiten verschiedener zu denken, als diese zwei sich zeigten. Das Zimmer der Frauen glich einer Puppenstube. Die allerdings sehr zerwaschenen Gardinen waren schneeweiß; ebenso der sorgsam gescheuerte Boden. Kein Stäubchen lag auf irgend einem der sauber polirten Erlenmöbel. Ueberall herrschte die größte, ja, fast peinliche Ordnung, und nur auf einem schmalen Arbeitstisch am Fenster, an dem Henriette saß und einen geschmackvollen Kranz von künstlichen Veilchen und Schneeglöckchen zusammenstellte, lagen die verschiedenen zu ihrer Arbeit nöthigen Ingredienzen ebenso durcheinander, wie es die Arbeit gerade mit sich bringt. An Allem sah man, daß hier sorgliche und ordnungsliebende Frauenhände walteten -- und wie lag dagegen das Nachbarzimmer! Dort wirthschaftete Onkel Pfeffer, und zwar als unumschränkter Gebieter der Räumlichkeit, über welche man aber nicht gleich beim ersten Betreten des Zimmers einen vollkommenen Ueberblick bekam, da eine permanente Wolke von Tabaksqualm den überhaupt nicht sehr hellen Raum in ein ewiges, geheimnißvolles Halbdunkel hüllte. Hatte man sich aber erst daran gewöhnt und war nicht gleich beim ersten Betreten dieses künstlerischen Heiligthums über einen Haufen dicht an der Thür liegender Broschüren, Bücher und Schriftstücke gestolpert, so erschien Fürchtegott Pfeffer, wie der heraufbeschworene Geist eines Zauberers, mit in Papilloten rund herum fest eingewickelten Haaren, in einem sehr schmutzigen, langen, wattirten Schlafrock, die lange Pfeife in der Linken, eine offene »Rolle«, aus der er memorirte, in der rechten Hand, und blieb dann jedesmal -- beide Arme vor sich haltend und mit einer Bewegung etwa mitten in der Stube stehen, als ob er hätte sagen wollen: Na, wer stört mich _nun_ wieder? Die Stube selber befand sich nicht allein in einer künstlerischen, sondern sogar in einer künstlichen Unordnung, gegen die aber weder Schwester noch Nichte einschreiten durften. Pfeffer behauptete nämlich -- und vielleicht nicht ganz mit Unrecht --, sobald einmal bei ihm aufgeräumt würde, fände er nie mehr, was er suche, und es sei nachher eine Heidenarbeit, sein Studirzimmer wieder in den Stand zu setzen, wie er es allein brauchen könne, das heißt: in ein wahres Chaos von lauter benutzten und unbenutzten Dingen. Die Gardinen waren jedenfalls, als sie am Ersten des Monats aufgemacht worden, eben so rein und weiß gewesen, wie in der Nachbarstube; wenn aber auch erst drei Wochen dazwischen lagen, so sahen sie doch jetzt schon entsetzlich aus. Ein schwarzer Reif schien auf sie gefallen zu sein -- wie ein Trauercouvert mit schwarzen Rändern hingen sie von der Decke nieder, und noch immer zog der dicke Qualm zu ihnen empor und setzte sich den vorangegangenen Rußtheilchen an. An den Wänden hingen eine Menge Bilder von theatralischen Größen, alle jedoch nur in einfach braunen oder schwarzen Rahmen. Was aber die Kunst _getrennt_, hatte die Kunst hier wieder vereint, denn über dem kleinen, mit...

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Overview: A poignant work of German Realism, "Eine Mutter" (A Mother) explores the profound and often desperate lengths of maternal love against the unforgiving backdrop of 19th-century societal constraints and frontier life.

Plot: The narrative follows a mother’s relentless journey to reclaim her children, who have been taken from her under dire circumstances. Her quest leads her from the familiar confines of her homeland into the raw, unpredictable wilderness of the New World, testing her resilience and redefining the very essence of family.

Analysis: Gerstäcker’s novel earns its classic status through its unflinching humanism and pioneering setting. Drawing from his own extensive travels, he masterfully contrasts Old World injustice with the brutal promise of the American frontier. The protagonist is not a romanticized ideal, but a fiercely determined, flawed figure whose struggle transcends mere melodrama to ask fundamental questions about sacrifice, redemption, and the primal force of a parent's love. It remains a powerful, unsentimental examination of the human spirit under duress.



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This digital edition is based on a public domain text. Enjoy reading and sharing without restrictions.

Brian Moore
5 months ago

This book was worth my time since the storytelling feels authentic and emotionally grounded. Definitely a 5-star read.

Michelle White
8 months ago

I have to admit, the storytelling feels authentic and emotionally grounded. Truly inspiring.

David Lewis
1 year ago

Based on the summary, I decided to read it and it challenges the reader's perspective in an intellectual way. A true masterpiece.

Linda Allen
1 year ago

As someone who reads a lot, the clarity of the writing makes this accessible. I will read more from this author.

Daniel Garcia
4 weeks ago

After finishing this book, it challenges the reader's perspective in an intellectual way. I learned so much from this.

5
5 out of 5 (5 User reviews )

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