Fabeln und Erzählungen by Christian Fürchtegott Gellert

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Gellert, Christian Fürchtegott, 1715-1769 Gellert, Christian Fürchtegott, 1715-1769
German
Overview: A seminal collection of Enlightenment-era German fables and moral tales, blending accessible storytelling with didactic purpose to explore virtue...
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Der Fürst schien nicht zu hören -- wenigstens gab er keine Antwort. Regungslos, den Kopf mit dem grauen Jägerhütchen seitwärts geneigt, lag er in die Lederkissen der Kutsche geschmiegt und ließ die Hände auf der Reisedecke ruhen, die um seine Knie geschlungen war -- zwei schlanke Hände, deren durchscheinende Blässe von schwerer, kaum überstandener Krankheit erzählte. So bleich wie die Hände war auch das schmale, strenggeschnittene Gesicht, von dessen Blässe sich das dünne Bärtchen über den herb geschlossenen Lippen und der linde Flaum, der sich um Kinn und Wangen kräuselte, als tiefer Schatten abhob. Der seltsame Widerspruch dieser Züge hatte etwas Fesselndes. Jede Linie so rein gezeichnet wie das Erbteil einer schönen Mutter, das einer Tochter geschenkt sein wollte und sich zu einem Sohn verirrte; und dennoch der Ausdruck eines klar geprägten Willens, in jedem Zug das Merkmal einer fest gefügten männlichen Natur; dazu ein Körper, schlank und sehnig aufgeschossen, dessen jugendliche Kraft durch die überstandene Krankheit nicht gebrochen, nur gebändigt schien und sich auch in der müden Haltung noch verriet, mit welcher der Fürst im Wagen ruhte. Er hielt die Augen geschlossen; doch er schlief nicht; das Leben, das in seinen Zügen spielte, verriet es. Hatte er die Lider geschlossen, weil ihn nach dem blendenden Sonnenglanz der langen Fahrt die Augen schmerzten? Oder wollte er das Bild der Landschaft vor seinem Blick erlöschen machen, um die Bilder seiner Gedanken ungestört vor seiner Seele zu schauen? Freundliche Bilder schienen das nicht zu sein. Das bittere Lächeln, das einen tiefen Zug um die Lippen schnitt, erzählte von Leiden, die besiegt, doch nicht vergessen sind und in der Seele nachwirken wie das Brennen einer Wunde. Bei diesem Sinnen atmete der stille, freudlose Träumer in tiefen Zügen die Waldluft, ihre Frische wie Erquickung genießend. Da unterbrach ein heller Laut die Stille der Landschaft. Von einer fernen Höhe tönte der schwebende Jodelruf einer Mädchenstimme, verschwamm in den sonnigen Lüften und weckte an den Felswänden, die der Wald verhüllte, noch ein leises Echo. Der Fürst hörte nicht. Aber der Lakai auf dem Bocksitz lächelte erwartungsvoll und fragte den Kutscher: »Gibt es hier Sennerinnen?« »No freilich. Und eine is dabei, ja, vor der muß man 's Hütl ziehen. Die Burgi von der Tillfußer Alm. Was wahr is, muß wahr sein. Dös is a bildsaubers Madl.« »Die Tillfußer Alm? Wo liegt die?« »Gleich dem Jagdhaus vor der Nasen.« Der Wagen rollte aus dem dichtgeschlossenen Wald auf eine offene Höhe hinaus, und der Kutscher deutete mit der Peitsche. »Da schauen S' her! Jetzt kann man 's ganze Geißtal überschauen drei Stund weit aussi bis gegen Ehrwald.« Hastig wandte sich der Lakai: »Bitte, Durchlaucht, von dieser Stelle kann man das ganze Jagdgebiet übersehen.« Der Fürst schlug die Augen auf -- große, dunkle Augen von metallenem Glanz -- und erhob sich im Wagen, den der Kutscher auf einen Wink des Lakaien angehalten hatte. Beim Anblick der weitgedehnten, in ihrer wundervollen Größe doch ruhigen Landschaft stieg eine warme Röte in die bleichen Wangen des Fürsten. Es war aber auch ein Bild, das einem für Schönheit der Natur empfänglichen Menschen die Seele mit Staunen erfüllen mußte. Zu Füßen der Straße zog sich ein schmales Hochtal mit fast ebener Sohle bis in weite Ferne, kaum merklich gewunden, eine einzige große Linie, gezeichnet von der weitausholenden Hand des Schöpfers. Durch das lange Tal hin schlängelt sich die Geißtaler Ache, in enggedrängtem Bette aus-und einbiegend um vorspringende Felsen und Waldecken, bald grünlich schimmernd bei ruhigem Gefäll, bald wieder blitzend in der Sonne und zersprudelt zu weißem Schaum. Das ganze Tal entlang reiht sich zur Linken ein Felskoloß an den anderen; neben der ungestüm aufstrebenden Munde...

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Overview: A seminal collection of Enlightenment-era German fables and moral tales, blending accessible storytelling with didactic purpose to explore virtue, reason, and social conduct.

Plot: The work comprises concise, often anthropomorphic narratives—from a pious hare to a vain lapdog—where characters navigate dilemmas of honesty, humility, and folly. Each tale is a self-contained parable, leading to a clear, instructive resolution.

Analysis: Gellert’s genius lies in his synthesis of French elegance and German *Volkstümlichkeit* (popular sensibility). He elevated the fable from simple children’s lore to a vehicle for bourgeois ethical education, using unadorned prose and relatable scenarios. Its classic status is cemented by its profound influence on later German literature, providing a foundational model for Lessing and others, while its humanistic core—advocating for empathy over rigid dogma—remains strikingly relevant.



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This work has been identified as being free of known copyright restrictions. Access is open to everyone around the world.

Steven Wright
8 months ago

If you enjoy this genre, the pacing is just right, keeping you engaged. Don't hesitate to start reading.

Nancy Davis
4 months ago

I came across this while browsing and the content flows smoothly from one chapter to the next. Worth every second.

Carol Allen
1 year ago

If you enjoy this genre, it challenges the reader's perspective in an intellectual way. Highly recommended.

Donna White
3 months ago

Not bad at all.

4.5
4.5 out of 5 (4 User reviews )

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