Jockele und seine Frau by Max Geissler

(11 User reviews)   4872
Geissler, Max, 1868-1945 Geissler, Max, 1868-1945
German
Overview: A poignant work of German Heimatliteratur (regional literature), this novel explores the profound, often unspoken, tensions between personal ambi...
Share

Read "Jockele und seine Frau by Max Geissler" Online

This book is available in the public domain. Start reading the digital edition below.

START READING FULL BOOK
Instant Access    Mobile Friendly

Book Preview

A short preview of the book’s content is shown below to give you an idea of its style and themes.

Schon wegen der Wette um die Mark bekam er die Lacher auf seine Seite. Für Hanna von Fellner dagegen wurde die Lage unbequem. »Lassen Sie sich nicht aus dem Sattel werfen, Hannachen!« reizte Herr Xaverius Rinkhaus. Nun, der Jockele war ja seit drei Stunden verheiratet; und Hanna gehörte zu seiner Frau -- sie gehörte also auch zu ihm. Deshalb durfte sie das schon wagen. »Also,« trumpfte sie heraus, »meine Wette hab' ich gewonnen: ein bißchen Angst haben Sie schon zugegeben! Sie sind aber auch ein viel zu junger und interessanter Mann, als daß es Ihnen nicht bange sein müßte vor der Hürde der Ehe. Wie lautet doch die Weisheit junger Leute Ihres Schlages? Sie schupfen verstellungsfroh die Schultern, lieber Doktor! So will ich Ihnen auf die Sprünge helfen. Sie alle fürchten sich vor dem geordneten Leben ...« »Stempeln Sie mit diesem kühnen Satze nicht jeden unverheirateten Mann zu einem Zigeuner?« Das sorglos gleitende Schiff Hannas war gegen eine Klippe gefahren. »Nun, so will ich sagen: Junge Männer, wenn sie glauben, daß sie richtig gehen, lieben die fröhliche Wildnis, und sie meinen, in der Ehe verkümmern ihnen unentbehrliche Blüten des Lebens.« Es war keine Erörterung für eine Hochzeitstafel; auch dann nicht, wenn man schon bei den Knackmandeln war. Und doch geriet weder die vortreffliche Stimmung noch einer der Gäste dabei in Gefahr. Nicht einmal Hanna selbst. Aber sie war klug und wollte für diesmal nicht recht behalten. Sie warf dem Jockele also noch rasch einige Perlen aus der Kette ihrer Gedanken zu und rief: »Geben Sie acht, Doktor, daß Ihnen keine davon fortkommt! Auf der Insel der Auferstehung oder im Riesengebirge oder im Gartenhaus am Horn in Weimar wollen wir sie wieder schön auf den Faden reihen.« Die Insel der Auferstehung ist ein Eiland im Hardanger Fjord. Der Name war von einem Kreise junger Menschen erfunden, die in jener Zeit daselbst hausten. Eine Vereinigung von Künstlern, Träumern und lebensfrohen Kämpfern, die sich »Sturmschwalben« nannten. Hanna von Fellner hatte nach ihrem rückgängig gewordenen Verlöbnis zwei Wochen auf dieser seligen Insel gelebt. Sie war von einer Freundin dorthin gerufen worden, die die Düsseldorfer Akademie besuchte und einen Sommer lang am Strande Norwegens malte. »Ich gehörte zu den Träumern unter den Sturmschwalben,« sagte Hanna. »Nun ja, damals!« lachte Jockele. Und sie berichtete, wie herrlich, groß und einsam die Welt dort wäre. Die Insel der Auferstehung sollte das erste Reiseziel des Doktors und seiner jungen Frau sein. Hannas beredter Mund hatte viel zu reizvoll von dem Fjord und den Sturmschwalben geplaudert. Dort im nordischen Sunde auf dem Sonneneiland flog Jugend aus vielen Ländern zusammen. Es gab keine gedruckten Vereinsgesetze, keinen Vorstand und keinen Kassierer, keinen Monatsbeitrag und keinerlei andere Verpflichtungen. Die Feste, der Ernst und der Frohmut, das Weilen und das Wandern waren dort Eingebungen des Augenblicks. Im Hochzeitstag am Rheine tauchte das Bild der Insel der Auferstehung empor und ging unter in Tanz und Glück. Vor Mitternacht -- aber lange nicht als die letzten -- verschwanden auch Jockele und Do. Danach blieben sie einige Zeit verschollen. Das erste Lebenszeichen sandten sie aus dem Blockhaus am Fjordstrand, in dem sie ihre Koffer, ihre Daseinslust und ihre Neugier einstweilen verstaut hatten. Von Hanna wußten sie: ein Gasthaus gab es auf der kleinen Insel nicht. Auch nach ihrem Namen forschten sie bei den Fischern vergeblich. Selbst auf dem Dampfboote, das sie durch den Fjord trug, hatte kein Mensch eine Ahnung von dem Eilande der Auferstehung. Nur das Gehöft Krokengaard kannte man. Das lag drüben am Fjordufer über der Sägemühle. Das hatte ihnen Hanna als Ziel ihrer Fahrt genannt. Es schäumte nahe dabei in jähem Sturz ein Bergfluß...

This is a limited preview. Download the book to read the full content.

Overview: A poignant work of German Heimatliteratur (regional literature), this novel explores the profound, often unspoken, tensions between personal ambition and marital duty within a rural community.

Plot: The story follows the titular Jockele, a restless and talented woodcarver, and his steadfast wife as they navigate the challenges of their modest life. When an opportunity arises that could elevate Jockele's artistic status, it tests the foundations of their relationship and their place in the traditional social fabric of their village.

Analysis: Geissler's classic status is earned through his masterful, unsentimental character studies. He elevates a simple domestic drama into a universal examination of sacrifice and the quiet heroism of compromise. The novel’s enduring power lies not in grand events, but in its authentic, psychologically nuanced portrayal of a marriage strained by divergent dreams, making it a timeless and deeply human story.



⚖️ Copyright Status

This is a copyright-free edition. Feel free to use it for personal or commercial purposes.

Matthew Gonzalez
8 months ago

I came across this while browsing and the flow of the text seems very fluid. A true masterpiece.

Sandra Nguyen
1 year ago

I stumbled upon this title and the emotional weight of the story is balanced perfectly. Absolutely essential reading.

Margaret Brown
11 months ago

Clear and concise.

Brian Martinez
5 months ago

Text is crisp, making it easy to focus.

John Smith
1 year ago

I didn't expect much, but the atmosphere created is totally immersive. Thanks for sharing this review.

5
5 out of 5 (11 User reviews )

Add a Review

Your Rating *
There are no comments for this eBook.
You must log in to post a comment.
Log in


Related eBooks