kreuzte ein Wallfischfänger, um dort nach Fischen auszusehen. Es war ein Nordamerikaner, die Martha's-vine-yard -- ein Schiff, das nach der Insel gleiches Namens getauft worden, und von dort aus auch seine Bemannung hatte. So seetüchtig und gut gebaut die amerikanischen Schiffe aber auch sonst gewöhnlich sind, die Martha's-vine-yard machte davon eine Ausnahme, und der Rheder, der sie in New-York von einem Holländer alt gekauft und wohl frisch angemalt, aber sonst in einem desolaten Zustand gelassen hatte, hoffte das wenige dafür ausgelegte Geld gleich mit der ersten Wallfischfahrt herauszuschlagen, wenn es dann auch keine zweite machte. Die Hauptsache blieb nur, tüchtige Leute dafür zu gewinnen, und deßhalb taufte er auch das alte »Gretje van Rotterdam«, welchen Namen die Bark vielleicht schon dreißig Jahre geführt, nach der Insel Martha's-vine-yard, die ihrer Seeleute wegen berühmt ist, und erreichte dadurch seinen Zweck vollkommen. Die Zeiten waren in Amerika nicht besonders. Der Krieg hatte gerade begonnen, und er fand Leute genug für die Bemannung, die denn auch mit dem alten Kasten getrost in See gingen und erst draußen, als es zu spät war, merkten, welchem Fahrzeug sie sich eigentlich anvertraut, um darauf eine mehrjährige Reise zu machen. Wallfischfänger müssen sich nämlich stets darauf gefaßt machen, drei Jahre auszubleiben, ehe sie ihr Schiff füllen können, und das ist eigentlich eine lange Zeit, wenn man noch dazu bedenkt, daß derartige Schiffe nur sehr selten einen Hafen anlaufen und meist immer draußen auf offener See herumkreuzen, um nach Fischen auszuschauen. Anfangs wurde die Mannschaft auch noch eigentlich nicht so recht inne, wie es mit ihrem Fahrzeug stand, denn mit günstigem Wind liefen sie an der Ostküste Amerika's immer nach Süden hinab, und so vor dem Wind segelte es leidlich. Schwer enttäuscht sahen sie sich aber, als nach einer kurzen Windstille eine konträre Brise eintrat. Der Kapitän wollte allerdings laviren, aber du lieber Gott, das alte Schiff brauchte sieben Strich, um gegen den Wind aufzukreuzen, und machte dabei noch anderthalb Strich Abdrift, so daß sie nicht allein nicht von der Stelle kamen, sondern sogar noch zurückgetrieben wurden. Den Harpunieren war das auch gar nicht recht, sie wären am liebsten wieder umgekehrt, um ihren Kontrakt aufzukündigen, der Kapitän wollte jedoch Nichts davon wissen, und redete ihnen so lange zu, bis sie sich endlich zufrieden gaben. Was lag auch daran, ob ein Wallfischfänger schnell segelt oder nicht -- die Reise an Ort und Stelle dauerte etwas länger, ja; aber erst einmal auf ihrem Fischgrund angelangt, und sie durften mit demselben Recht erwarten, daß Fische an sie anlaufen würden, als daß sie dieselben durch rasches Fahren erreicht hätten -- ja manchmal machte so ein Schiff an guten Stellen viel bessere Geschäfte, wenn es ruhig beilag, als ziellos auf dem Meer umherkreuzte. Nur die Reise um Kap Horn war eine entsetzlich lange, jedoch konnten sie auch schon bei den Falklandsinseln auf Wallfische rechnen, und kurz und gut, sie behielten ihren Kurs bei, der sie auch mit jetzt wieder günstigerem Wind rascher gen Süden brachte, als sie selber anfangs geglaubt. Bei den Falklandsinseln war aber Nichts zu machen. Sie trieben sich wohl vier Wochen in der Nähe herum, ohne einen einzigen Wal anzutreffen, und da gerade ein scharfer Ostwind einsetzte, hielt der Kapitän die Gelegenheit für günstig, das Kap zu doubliren und nach der Westküste Amerikas hinüber zu steuern. Dort lagen auch die besten Jagdgründe für Wallfische: in der heißen Zone für Cajelots und weiter nach Norden hinauf für den richtigen Wal, und da sie der Wind nicht im Stich ließ -- denn mit Kreuzen wären sie nie um das Kap gekommen -- erreichten sie nach ziemlich kurzer Fahrt das stille Meer. Aber auch...
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Barbara Smith
1 year agoThis book was worth my time since the emotional weight of the story is balanced perfectly. I couldn't put it down.