vergewissert haben, wie ein abgenutztes Handwerkszeug bei Seite werfen. Der also Mißbrauchte sieht sich so von Jedem, dem er mit treuem Herzen vertraute, hintergangen und verspottet, und jetzt stürmen urplötzlich all die tausend und tausend gehörten und für Märchen gehaltenen Geschichten auf ihn ein, durch die er in der alten Heimath vor solchen _Freunden_ gewarnt worden war. Er gleicht jetzt dem Knaben, der sich, schon unter Wasser, noch deutlich daran erinnert, daß ihm Jemand gesagt hätte, das Eis würde nicht halten. Er ist aber einmal durchgebrochen, und nur starkes, kräftiges Ringen kann und wird ihn wieder an die Oberfläche bringen. Nun sind es allerdings großentheils Deutsche, die in den Seestädten Amerikas einzig und allein darauf auszugehen scheinen, ihre Landsleute durch falsche Verkäufe, Landspeculationen oder sonstige Betrügereien zu hintergehen; das hat aber hauptsächlich darin seinen Grund, daß der Amerikaner nur selten Deutsch genug versteht, sich des eben Eingewanderten Vertrauen zu erwerben und Vortheil aus ihm zu ziehen, sonst wäre er der letzte, der sich ein Gewissen daraus machen würde, ein =greenhorn=[1] hinters Licht zu führen. [1]: =Greenhorn= -- ein unübersetzbares Wort, das der Amerikaner von solchen braucht, die in einer neu unternommenen Sache noch gänzlich unbekannt sind, wie z. B. ein Landbewohner, der Matrose werden wollte, im Anfang stets ein =greenhorn= genannt werden würde. Der Amerikaner hat überhaupt, besonders im Handel, wunderliche Begriffe von Ehrlichkeit, und hält Manches für erlaubt, was wir nach _unseren_ Ansichten unmöglich billigen könnten. Ich brauche da nur an die aus Kien gedrehten Muskatnüsse, an hölzerne in Leinwand eingenähte Schinken, an aus Kartoffeln und rothem Flanell gestopfte Würste, und an viele andere Betrügereien zu erinnern, die den Schuldigen vor Gericht allerdings verdammt hätten, denen aber der Amerikaner selbst seine volle Bewunderung zollt und einen solchen Pfifficus höchstens einen »=deuced smart fellow=«, einen »verwünscht schlauen Burschen« nennt. Nun ist es aber nicht allein das Vertrauen gegen Andere, vor dem sich der neu eingewanderte Deutsche besonders zu hüten hat, sondern auch das in sich selbst, was ihm nicht selten noch größeren Schaden thut als das erste, denn jenes kostet ihm gewöhnlich nur Geld und er gewinnt dafür Erfahrung, das andere aber kostet ihm seine _Zeit_ und die kann ihm Nichts wieder ersetzen. Ich möchte hier übrigens nicht mißverstanden werden, denn ich will keineswegs damit sagen, daß der Europäer nicht auf seine eigenen Kräfte, auf seine eigene Ausdauer und Beharrlichkeit vertrauen solle. Nein im Gegentheil, ein solches Vertrauen ist sogar unumgänglich nöthig, er würde sonst untergehen in Zweifel und Unentschlossenheit; er soll sich aber nicht einbilden daß er nach Amerika gekommen ist, um die Eingeborenen durch seine eigene Geschicklichkeit in Erstaunen zu setzen -- er soll nicht, ohne vorher zu prüfen, _seine_ Manier zu arbeiten für die bessere, _seine_ Werkzeuge für die einzigen guten halten -- er soll seine eigenen Fähigkeiten nicht zu hoch anschlagen und selbst da noch _lernen_, wo er sich schon vielleicht für geschickter und klüger als Die hielt, mit denen er zusammentraf. Der Amerikaner ist viel praktischer als der Deutsche -- er hat sich aber auch nicht aus dem alten Schlamm, aus geistigem und körperlichem Zwang erst herauszu_arbeiten_ gebraucht, wie wir das noch jetzt mit Händen und Füßen, ja oft auf dem Bauche liegend, im Begriff sind zu thun. Er hat das Joch, was ihn zu drücken erst _anfing_, abgeschleudert und nun, ein freier Staat, die freie Bahn frisch und fröhlich verfolgt. Nicht durch Zunft oder anderen Zwang niedergehalten, von allen Ländern der Welt die Repräsentanten in seiner Mitte, konnte er prüfen und wählen und der Erfolg hat bewiesen, wie er nicht blind war gegen das Bessere. Daher geschieht es denn gewöhnlich, daß sich besonders der...
This is a limited preview. Download the book to read the full content.
Sarah Martinez
1 year agoUsed this for my thesis, incredibly useful.