Californische Skizzen by Friedrich Gerstäcker

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Gerstäcker, Friedrich, 1816-1872 Gerstäcker, Friedrich, 1816-1872
German
Overview: A seminal work of travel literature and ethnographic observation, Gerstäcker's "Californische Skizzen" (California Sketches) captures the raw, tu...
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kleines Zeltlager oder Camp, wie es in der Minensprache genannt wurde. Die vier kleinen Zelte, drei weiße und ein blaues, waren dicht und heimlich unter wahrhaft großartige Fichten und niedere Eichenbäume hineingeschmiegt, und zur Nachtzeit loderten mächtige Feuer in ihrer Mitte. Diese vier Zelte wurden von eben so vielen „Compagnien“ (wie die zwei, drei, vier oder mehr, die zusammen arbeiten, genannt werden) bewohnt. Es waren dieß, mit Ausnahme eines einzigen Amerikaners, lauter Deutsche, die meisten sogar mit den Bremer Schiffen +Talisman+ und +Reform+ von Deutschland, einzelne aber auch aus Australien und anderen Theilen der Erde hierhergekommen. Nach echt Californischer Wanderart hatten sie sich hier, meist zufällig, auf dem einsamen aber reizend gelegenen Hügelrücken zusammengefunden. Etwa hundert Schritt davon stand noch ein anderes Zelt, in welchem eine Compagnie englischer und irischer Miner hauste, und noch weiter hin lagerten ein Pole und ein Deutscher, beide von Texas hier herüber gekommen, unter freiem Himmel. Die Regenzeit war noch nicht eingetreten und die Nächte blieben fast immer sternenhell. Hast du, lieber Leser, Lust, und nichts Besseres zu thun, so wollen wir einmal den heutigen Abend -- es ist ein Sonntag -- dort zubringen. Wir finden ein lustiges Völkchen, gute Gesellschaft und jedenfalls einen freundlichen Willkommen. Es ist etwa vier Uhr Nachmittags und das Lager außergewöhnlich still; was mag aus all den Menschen geworden sein, die es sonst so lebendig machen? Ja, Freund, wir leben hier fünf englische Meilen von dem nächsten Store oder Provisionsladen entfernt, und da geht von jeder Compagnie wenigstens Einer (gewöhnlich aber auch Mehrere) Sonntags zu Esel, Maulthier oder Pferd -- denn diese drei verschiedenen Beförderungsmittel existiren hier sämmtlich -- nach „Charles Store“. Dies ist ein in der ganzen Gegend wohlbekannter Platz, wo sich die Miner die nöthigen Provisionen an Mehl, Kartoffeln, Fleisch, u. s. w. für die nächste Woche, und manchmal auch einen kapitalen Rausch für den besonderen Abend holten. Vor Dunkelwerden kommen dann diese meist sehr lustigen Leute selten wieder zurück, ja oft wird es zehn und elf Uhr, und wenn die Esel dann nicht klüger wären als -- doch das ist vorgegriffen. Eigentlich bewegte sich bis jetzt nur eine einzige Gestalt um die Zelte herum -- ein Mann in einem rein gewaschenen aber schon alten und oft ausgebesserten roth wollenen Hemd und grauleinenen Beinkleidern, mit dunkelbraunem, lockigem Haar, kleinen aber lebendigen Augen, und breiten, Arbeit gewohnten Händen, man könnte sagen Fäusten. -- Er arbeitete mit einem Andern, Namens Panning zusammen. Panning war in Deutschland Kutscher bei einem Grafen „so und so“ gewesen und nach Californien gekommen sein Glück zu machen. Albert hatte einen Ochsenkarren über die Sierra Nevada für Onkel Sam getrieben -- er erzählte gern von dieser Fahrt -- später war er, glaub’ ich, „freiwillig fortgegangen“, wie es die Ausreißer dort gewöhnlich nannten, oder auch entlassen worden, kurz er befand sich hier oben am Mosquitogulch und „machte gut aus“. -- Lieber Leser, Du wirst Dich noch an viele solche Minenausdrücke gewöhnen müssen und darfst nicht jetzt schon den Kopf darüber schütteln. Albert war eifrig beschäftigt seine Matratzen und Decken, die den Tag über in der Sonne gelegen, wieder ins Zelt zu schaffen, die heute Morgen gewaschenen Kleidungsstücke von der zu diesem Zweck zwischen zwei jungen Eichen ausgespannten Leine zu nehmen, und nachher Holz für den Abend herbei zu schaffen. Er hatte den ganzen Tag schon genäht und ausgebessert und war überhaupt ein ungemein fleißiger Mann und tüchtiger Arbeiter. Panning und Albert besaßen gemeinschaftlich ein weißes Maulthier. In dem blauen Zelte regte sichs auch. Der einsame Bewohner desselben, dessen Kleidern ein paar gute Faden grauer Zwirn eben auch keinen Schaden gethan haben würden, lag aber ziemlich faul auf...

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Overview: A seminal work of travel literature and ethnographic observation, Gerstäcker's "Californische Skizzen" (California Sketches) captures the raw, tumultuous spirit of the 1849 Gold Rush through the keen eyes of a German adventurer.

Plot: The book is not a novel but a series of vivid, episodic sketches detailing Gerstäcker's own journey to and through California. Readers experience the arduous voyage, the chaotic boomtowns like San Francisco, the backbreaking labor in mining camps, and encounters with a diverse cross-section of fortune-seekers, outlaws, and indigenous peoples.

Analysis: Its status as a classic stems from its unique perspective and unvarnished authenticity. As a European outsider, Gerstäcker provides a crucial counter-narrative to American myth-making, documenting both the democratic promise and the profound moral and physical cost of the rush. His prose combines a journalist's precision with a storyteller's flair, creating an indispensable primary source that remains a compelling and humanizing portrait of a defining era.



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Steven Robinson
1 year ago

The layout is very easy on the eyes.

Lucas Hill
2 days ago

Having read this twice, the flow of the text seems very fluid. Definitely a 5-star read.

Matthew Perez
4 months ago

Finally a version with clear text and no errors.

Deborah Walker
4 months ago

As someone who reads a lot, it challenges the reader's perspective in an intellectual way. Definitely a 5-star read.

Brian Thompson
1 year ago

From the very first page, the pacing is just right, keeping you engaged. I learned so much from this.

4.5
4.5 out of 5 (10 User reviews )

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