Der Kunstreiter, 1. Band by Friedrich Gerstäcker

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Gerstäcker, Friedrich, 1816-1872 Gerstäcker, Friedrich, 1816-1872
German
Overview: A foundational work of German adventure fiction, this first volume of Gerstäcker's serialized novel masterfully blends picaresque travelogue with...
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»Und nicht wahr, Komtesse, _die_ fehlt Ihnen?« lächelte der Graf. »Darüber können _Sie_ sich wahrlich nicht beklagen, und ich weiß gar nicht -- aber was ist das?« unterbrach sich die junge Dame im nächsten Augenblicke selbst, als jene lärmende, wogende Menschenmenge die Straße herunter drängte. Einzelne Trompetenstöße wurden dazwischen laut, und der Graf selber horchte erstaunt auf. »Ach, das ist herrlich!« rief die Komtesse Rosalie, Melanies jüngere Schwester, »das muß die Kunstreiter- und Seiltänzergesellschaft sein, Monsieur Bertrand mit seiner Truppe, der seine Tour durch die Residenz macht, um sich dem Publikum vorzustellen. Letzte Woche hat er auf dem hochgespannten Seile getanzt, und diesen Abend wird die erste Vorstellung in dem erst heute fertig gewordenen Zirkus sein.« »Du bist ja sehr genau unterrichtet,« lächelte Melanie. »Haben Sie diesen Monsieur Bertrand schon gesehen, Herr Graf? Er soll in seiner Kunst ganz Ausgezeichnetes leisten.« »Noch nicht, Komtesse,« erwiderte der junge Mann. »Ich liebe derartige Kunststücke nicht, und das Seiltanzen vor allem ist mir das Verhaßteste, Entwürdigendste für den Menschen.« »Und weshalb? Gehört nicht ein außergewöhnlicher Mut dazu, um sein Leben in schwindelnder Höhe auf dem schwanken Seil zu wagen?« »Es ist das kein Mut mehr, den ich in dem _Manne_ gewiß ehren würde,« erwiderte der Rittmeister, »sondern nur eine verzweifelte Tollkühnheit, welche Glieder und Leben um wenige Taler, oft um Groschen preisgibt; ja nicht selten sogar kaum mehr als feige Furcht, durch _Arbeit_ eine Existenz erringen zu müssen, die jedenfalls ehrenvoller wäre als solch ein Dasein.« »Sie urteilen zu streng.« »Ich glaube kaum. Es ist wenigstens meine Ueberzeugung.« »Und doch fühlen sich die Menschen glücklich in ihrem Berufe.« »Das kann ich mir kaum denken,« erwiderte kopfschüttelnd der Graf. »Aeußerlich mag es allerdings so scheinen; wer sie aber beobachten könnte, wenn sie sich unbeachtet wissen, möchte doch wohl ein anderes Urteil über sie fällen. Aber da kommen sie; ich kann wenigstens die wallenden Federn des Baretts oder Helms erkennen.« Hunderte von Menschen drängten indessen lachend und erzählend vorbei, mit dem Zuge zu gehen und den Marsch mit anzuhören, den das gemietete Musikkorps blies, während andere wieder stehen blieben, die wunderlich gekleideten Gestalten an sich vorbei passieren zu lassen. So etwas sahen sie nicht alle Tage. Und macht es nicht einen gar eigentümlichen Eindruck auf den Zuschauer, plötzlich, in dem wirklichen, bestimmt ausgesprochenen Alltagsleben, das ihn nach allen Seiten umgibt, und in dem ihn das geringste Außergewöhnliche schon störte, ja selbst im hellen, lichten Sonnenschein phantastisch aufgeputzten und geschminkten Menschen zu begegnen? Die unteren Schichten der Bevölkerung, mit den Kindern, freuen sich allerdings darüber. Sie sehen nur die äußere Hülle, das Flittergold und die wallenden Federn, die gestickten Wämser und bunten Farben. Den Gebildeten überkommt bei solchem Anblick aber fast immer ein eigenes unbehagliches Gefühl -- nicht der Bewunderung etwa, sondern eher des Mitleids mit den Unglücklichen, die solcher Art, in ihrem glänzenden Elend, äußerlich stolz und guter Dinge, doch nur -- »an der menschlichen Gesellschaft vorüber -- den Pranger reiten.« Weit anders ist es mit der Bühne. Hier wird uns ein abgerundetes und in sich fest stehendes Kunstwerk von _Künstlern_ vorgeführt, und die phantastischen Trachten, die durch die Kulissen ihren wahren Hintergrund, durch die Lichter ihre richtige Beleuchtung erhalten, stören uns nicht, ja, sind sogar nötig, die Täuschung zu vollenden, die uns in andere Zeiten, andere Sitten versetzen soll. Ich rede hier freilich nicht von jener Entweihung der Kunst, dem neu aufgekommenen Unfug der Sommertheater, die zu den »Kunstreitern« schon den Uebergang bilden. -- Hier dagegen, wo die Häuser, in denen wir selber wohnen, den Hintergrund formen und wir in eigener Person, sobald solche abenteuerliche Gestalten zwischen uns und aus ihrem Rahmen heraustreten, Mitspieler...

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Overview: A foundational work of German adventure fiction, this first volume of Gerstäcker's serialized novel masterfully blends picaresque travelogue with a coming-of-age narrative, exploring themes of artistic passion, societal constraints, and the nomadic life in mid-19th century Europe.

Plot: The story follows the journey of a young, idealistic equestrian artist as he leaves the security of home to join a traveling circus troupe. Through his eyes, we experience the grit and glamour of the performer's life—the camaraderie of the troupe, the thrill of the crowd, and the harsh realities of constant travel, all while he hones his craft and navigates the complexities of newfound independence.

Analysis: Gerstäcker's novel remains a classic not merely for its vivid, ground-level depiction of a vanishing subculture, but for its profound humanism. Written with the authenticity of an author who was himself a great traveler, it transcends its specific setting to deliver a timeless meditation on the pursuit of artistry against the grain of conventional society. Its enduring appeal lies in this universal conflict between creative freedom and security, rendered with warmth and unsentimental detail.



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Mason Jackson
1 year ago

If you enjoy this genre, the content flows smoothly from one chapter to the next. Absolutely essential reading.

Steven Anderson
1 week ago

This book was worth my time since it provides a comprehensive overview perfect for everyone. Truly inspiring.

4.5
4.5 out of 5 (2 User reviews )

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