stehen blieb, und das neu erstehende Werk des Freundes betrachtete. »Alle Wetter Ernst,« rief er dabei, »was malst Du denn da? ich glaube gar »den Teufel an die Wand.« Was fällt Dir denn ein?« »Du könntest am Ende Recht haben, Frank,« sagte der Angeredete, der kaum den Kopf nach dem Eintretenden wandte, und sich auch in seiner Arbeit nicht stören ließ. »Der Bursche ist in der That mehr Teufel als Faun und eine kleine Aenderung kann da nachhelfen.« Noch während er sprach wuchsen der Gestalt an der Wand ein paar kurz aufsteigende spitze Hörner und zwischen den Kartenblättern und dem Weinlaub krümmte sich ein, mit einem dicken Haarbüschel versehener Schweif heraus. »Hahaha,« lachte Frank, »der Teufel mit Epauletten -- gewissermaßen in Generals-Uniform bei großer Gala -- die Idee ist nicht schlecht. Aber, Menschenkind, was soll die Spielerei? oder arbeitest Du im Auftrag irgend eines Ministeriums, um vielleicht Frescobilder für einen Ständesaal zu entwerfen?« »Und kennst Du den Burschen nicht?« »Wen? Seine höllische Majestät mit dem Pfefferkuchen-Herz in der Hand? -- Das muß gut zu dem Schwefel schmecken?« »Ich meine das Gesicht.« »Hm, in dem Gesicht liegt in der That etwas Bekanntes,« sagte Frank, es jetzt aufmerksamer betrachtend. »Also es ist keine Phantasie?« »Nein.« »Portrait?« »Vielleicht -- Du kennst das Original jedenfalls.« »Zum Teufel auch, die Epauletten bringen mich darauf -- der Major von Reuhenfels, wie?« Ernst nickte stumm vor sich hin -- »Allerdings,« sagte er endlich, »der Herr Major von Reuhenfels, den ich mir hier zu meinem besonderen Vergnügen abconterfeit habe.« »Und liebst Du den so sehr, daß Du sein Bild immer vor Augen haben willst?« »Ja,« sagte Ernst finster und mit fest zusammengebissenen Zähnen, »so innig, daß ich -- aber zum Teufel auch, ich will mir den schönen Tag nicht verderben und habe mir nur den Spaß gemacht die Fratze hier an die Wand zu zeichnen.« »Aber Du hast karrikirt -- der Major ist wirklich was man einen schönen, stattlichen Mann nennt.« »Ein Fleischklumpen mit einem paar Unterkiefern, wie eine Kuh.« »Das spricht für seine gastronomischen Leistungen,« lachte Frank. »Und mit einem paar Lippen wie ein Faun -- selbst der Schnurrbart kann den widerlichen Zug derselben nicht verbergen.« »Aber sage mir nur, weshalb Du eine solche Wuth auf den armen Teufel hast. Hat er Dir denn je etwas zu Leide gethan?« »Ich habe noch nie ein Wort mit ihm gesprochen.« »Also gefällt Dir blos sein Gesicht nicht.« »Du setzest die Worte falsch -- mir gefällt sein Gesicht nicht bloß, er sollte einen Schleier darüber tragen, wie der Prophet von Khorassan und ich glaube bei Gott, er hat in seinem Charakter Aehnlichkeit mit dem.« Frank lachte, warf den Mantel und Hut auf den nächsten Sessel, sich selber in einen, der Staffelei schräg gegenüber stehenden Lehnstuhl und sagte dann, indem sein Blick an dem auf der Staffelei befindlichen und noch nicht vollendeten Bild haftete: »Du hast etwas auf dem Herzen, Ernst, herunter damit, ich bin gerade in der Stimmung Dir als »älterer Freund« -- denn Dein Geburtstag fällt auf den 25sten, meiner aber schon auf den 14ten Juni, einen guten und väterlichen Rath zu ertheilen. -- Aber vorher sage mir erst einmal, was Du aus dem Bild da machen willst. Ich werde nicht daraus klug, und Du mußt es ja auch in den letzten zwei Tagen, wo ich Dich nicht gesehen, nur so auf die Leinwand geworfen haben.« Das Bild stellte eine wilde Alpenlandschaft vor, mit rechts einer sogenannten »Lanne,« einem grünbewachsenen, ziemlich schräg abfallenden Bergabhang, an welchem ein paar einzelne Lärchen-Tannen wuchsen. An der einen stand eine Mädchengestalt, mit im Winde flatternden Locken, und den Baum, wie Schutz suchend, umklammernd....
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Andrew Anderson
1 year agoUsed this for my thesis, incredibly useful.